Siebenpfeiffer-Preisträger Franz Alt am SPG

(SZ vom 18. Sept. 2003)

 

"Ihr alle könnt mithelfen"

Siebenpfeiffer-Preisträger Franz Alt fordert Schüler zu mehr kritischem
Engagement für eine bessere Umwelt auf

Homburg (he). Krieg für Öl, Erderwärmung, drohende Rohstoffknappheit
und die Alternativen dazu zeigte Franz Alt, Siebenpfeiffer-Preisträger,
Journalist und Buchautor, auf. Bei seiner Reise durch den Saarpfalz-Kreis zum
Thema Zukunft und Energie sprach und diskutierte er vor Oberstufen-Schülerinnen
und Schülern des Christian-von-Mannlich- und des Saarpfalz-Gymnasiums.

Möglich gemacht hatte das die Siebenpfeiffer-Stiftung in Zusammenarbeit
mit der Stiftung Demokratie Saar. Alt ging es nicht nur um die Vorzüge
von Solar-, Wind- und Wasserkraft, er zeigte Hintergründe des aktuellen
weltpolitischen Geschehens aus seiner Sicht auf. Dabei nahm er vor allem mit
Blick auf den amerikanischen Präsidenten George W. Bush kein Blatt vor
den Mund. "Die Amerikaner haben auf ihrem eigenen Territorium noch Rohstoffreserven
für etwa 20 Jahre. Also hat Bush Krieg für Öl geführt, sowohl
in Afghanistan als auch im Irak." Durch Afghanistan werde eine Pipeline
zu den Öl- und Gasfeldern des Ostens laufen, die amerikanische Firmen erschließen
werden, und das irakische Öl werde zu einem guten Teil den Bedarf Amerikas
decken. "Fast alle Berater von Bush stammen aus der Ölwirtschaft,
sowohl Dick Cheney als auch Condoleeza Rice. Es gab sogar einen Öltanker,
der ihren Namen trug, der aber entfernt wurde, als der Irak-Krieg begann."
Auch Deutschland sei abhängig von den Ressourcen anderer, egal ob Öl,
Gas oder das Uran für Kernbrennstäbe. "Die Energiefrage wird
der Schlüssel für die Zukunft sein, und die Verteilungskämpfe
werden schlimmer als der Erste und der Zweite Weltkrieg", malte Alt ein
düsteres Bild. Das Klima verändere sich in großem Maße,
pro Tag stürben 150 Pflanzen- und Tierarten, fruchtbare Böden würden
täglich vernichtet, 30000 Menschen verhungerten pro Tag. "Was im Moment
für uns läuft, ist die Gnadenfrist, um die Energiepolitik in Deutschland
zu ändern. Und ihr", richtete er sich an die Schülerinnen und
Schüler, "könnt mithelfen." Die Frage lautete Krieg um Öl
oder Friede durch die Sonne. "Die Sonne liefert uns 15000 Mal mehr Energie,
als wir benötigen." Ein Energie-Szenario besage, dass im Jahr 2050
Solarstrom und Energiegewinnung aus Biomasse, wie Holz, Nutzhanf oder andere
nachwachsende Rohstoffe, 70 Prozent des Bedarfs decke. Auf Öl entfalle
lediglich fünf Prozent, den Rest teilten sich Wasser- und Windkraft. "Sonne
und Wind gibt es kostenlos. Ich habe selbst Solarkollektoren auf dem Dach, und
die Sonne hat mir noch nie eine Rechnung geschickt." Umfragen zeigten,
dass sich die Deutschen einen Wandel in der Energiepolitik wünschten, aber
die Umsetzung in den Köpfen noch nicht funktioniere. "Es gibt 22 Millionen
Häuser in Deutschland. Mit Kollektoren könnte man sie in 22 Millionen
kleine ungefährliche Kraftwerke verwandeln. Und wenn die Massenproduktion
von Kollektoranlagen anläuft, sinkt logischerweise der Preis." Wenn
das alles so einfach ist, warum beginnt die Politik dann nicht mit einer radikalen,
Umwelt und Ressourcen schonenden Änderung? Alt wusste eine Antwort. Allerdings
stünden gegen diesen Wandel in der Energiepolitik die Milliarden-Interessen
der so genannten alten Energiewirtschaft. Die Politik sei von den Unternehmen
abhängig, die einen von den Betreibern der Atomkraftwerke, die anderen
von den Betreibern der Kohlekraftwerke. "Die junge Generation hat die Chance,
sich dagegen zu wehren und selbstständig zu sein."
Selbst die ersten Mineralölkonzerne hätten die Zeichen verstanden,
ein Unternehmen investiere in die Großproduktion von Solarzellen und stelle
Windkraftanlagen aufs Meer. "Einer der Bosse sagte zu mir, dass sie umsteigen
müssten, sonst seien sie eines Tages die Verlierer." Auch "müssen
mehr Solarkollektoren und mehr Windräder her, auch die Architekten müssen
endlich lernen, wo Süden ist und die Häuser entsprechend auf Solaranlagen
ausrichten". Es gebe schon Häuser, die mit Kollektoren gutes Geld
verdienten und am Ende des Monats einen Scheck statt einer Rechnung erhielten.
"Das müssen alle begreifen."

 

 

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