Schüler des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums packten in Georgien kräftig mit an
Von der Herzlichkeit begeistert
Artikel der SZ vom 04.11.2003
Homburg (dh). Bereits zum zweiten Mal ist eine Schülergruppe des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums auf Einladung des ehemaligen Theologie-Professors Gert Hummel nach Georgien gereist, um mit Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen die Bevölkerung in der armen Gegend um die Hauptstadt Tiflis zu unterstützen.
Gert Hummel, der dort das Amt eines Bischofs bekleidet, investiert seine Zeit und seine Mittel unter anderem in den Wiederaufbau der deutschen protestantischen Gemeinde sowie in weitere Baumaßnahmen in der strukturschwachen Gegend. Mit vielen Eindrücken und auch Emotionen sind die acht Jugendlichen und ihre vier erwachsenen Begleiter von ihrem Arbeitseinsatz an der georgisch-aserbaidschanischen Grenze zurückgekehrt. Im muslimischen Dorf Kiziladjul packten die Jugendlichen zehn Tage lang beim Bau eines neues Fußballstadions mit an. Untergebracht waren sie in einen kleinen Hotel in der Hauptstadt Tiflis. "Mit war vorher klar bewusst, dass wir dort etwas ganz Anderes sehen werden. Aber das war noch heftiger, als ich es mir vorgestellt habe", meint zum Beispiel der 17-jährige Christoph Berlich beim Gespräch der Gruppe mit unserer Zeitung. Der Saarpfalz-Schüler bezieht sich vor allem auf die Armut, die in weiten Teilen des Landes zu sehen und erleben ist. Christoph staunte aber auch darüber, wie sich die Menschen "mit der Armut arrangieren". Die Freundlichkeit der Leute hat ihn ebenfalls beeindruckt. Claudia Hermes, 17, hat beobachtet: "Wir waren den Menschen erst nicht so ganz geheuer. Da wurden wir schon mal komisch angesehen. Es war eben wie in einer anderen Welt." Steine schleppen, Splitt austeilen und anstreichen, die Jugendlichen vom Homburger Gymnasium waren an der Sportanlage gut beschäftigt. Aber auch Ausflüge standen auf dem Programm. Dort stürzten weitere Eindrücke auf die Gruppe ein. Stefanie Klosterhalfen, 18, erinnert sich an eine alte Dorfschule: "Das war ein richtiger Schock. Vieles ist zerfallen und improvisiert. Da gibt es kaum richtige Fenster und Türen." Auch Stefanie ist beeindruckt davon, wie aufgeschlossen die Menschen ihr begegneten. Sven David Otto, 17, erlebte einen Gegensatz von "zerfallenen Dörfern und Städten" und einer "traumhaften Landschaft". Dieter Schiestel, 16, empfand die Arbeit eher als "symbolisch" und erlebte die Begegnung mit den Menschen sehr intensiv, vor allem die Aktivitäten mit den georgischen Jugendlichen, die zum Teil Deutsch gesprochen hätten. Die Hauptstadt Tiflis beeindruckte Eric Lutter, 17. "In der Stadt wirkt alles nicht so schlimm wie auf dem Land." Stephanie Ruffing, 17, war von der Gastfreundschaft überwältigt: "Die haben so wenig, aber geben so viel." Ihr Mitschüler Jan Weißler hat die Erlebnisse in einem launig geschriebenen Tagebuch festgehalten und auch einige amüsante Momente festgehalten. Zum Beispiel dann, als den Gästen am ersten Tag die Bewirtung nicht so ganz geheuer war. "Die Dorfbewohner werden die Deutschen in Erinnerung behalten als Leute, die keinen Kuchen essen und keine Cola trinken wollen, aber gerne unsinnige Arbeit verrichten", so der Tagebuchschreiber mit liebevoller Ironie. Tag für Tag arrangierten sich die Deutschen mit den Gegebenheiten. Pfarrer Axel Schmitt, Schulleiter Jürgen Helwig, seine Gattin Gisela sowie die Lehrerin Kerstin Mar-Reinhard bildeten das Begleiter-Team. Sie hatten Spenden des Gymnasiums sowie die Lions-Club Saarpfalz im Gepäck sowie eine große Ladung Fußball-Trikots als Zeichen der georgisch-aserbaidschanisch-deutschen Freundschaft. Pfarrer Axel Schmitt zog eine positive Bilanz: "Die Begegnung mit den Muslimen gestaltete sich schwieriger als ich erwartet habe, aber trotz der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe war das eine gelungene Sache.""



