Gedichte über die Liebe und den Aufbruch

Gedichte über die Liebe und den Aufbruch
Klasse 10c des Saarpfalz-Gymnasiums zeigte die Ergebnisse ihrer Übungen in kreativem Schreiben
von sz-redaktionsmitglied sascha müller
Die Klasse 10c des Saarpfalz-Gymnasiums präsentierte beim Hoffest der Homburger Schule ihre kreativen Arbeiten aus dem Geschichts- und Deutschunterricht. Die Ausstellung war im "Saal der Dichter, Denker und Lebenskünstler" zu sehen.

Die Klasse 10c des Saarpfalz-Gymnasiums mit ihrem Lehrer Eberhard Jung
beim Vorbereiten ihrer Ausstellung. Foto: SZ

Homburg. Schreiben ist nicht schwer - man muss sich nur trauen, damit anzufangen. Dies ist das ungeschriebene Motto, das hinter den Projekten steht, die während des Hoffestes im Saarpfalz-Gymnasium im "Saal der Dichter, Denker und Lebenskünstler" als Ausstellung zu besichtigen waren: Die Klasse 10c hatte für die Besucher Ergebnisse ihrer Übungen in kreativem Schreiben zuammengestellt (wir berichteten). In den Räumen 112 und 113 der Schule präsentierten die Schüler ihre Arbeiten aus dem Geschichts- und Deutschunterricht mit ihrem Lehrer Eberhard Jung. "Bei Festen wird in der Regel Wert auf Essen und Trinken gelegt, wir wollen - etwas idealistisch - Lesefutter anbieten", erklärte Eberhard Jung das Ziel der Ausstellung während des Hoffestes.

Die Saarbrücker Zeitung war beim Aufbau der Schautafeln dabei und sprach mit den Schülerinnen und Schülern über ihre Arbeiten: Viel Herzblut und persönliche Erfahrungen haben die jungen Leute in ihre Werke gesteckt. Unter dem Motto "Aufbruchsgedichte" durften die 16-Jährigen ihre Gefühle zu ganz persönlichen "Aufbrüchen" in neue Gefilde in eigene Verse fassen. Viele anrührende, aber auch witzige Gedichte über "Erste Liebe" sind dabei herausgekommen. Dass Liebe durch den Magen geht, belegte das Liebesgedicht "Schwenkerzeit" von Christian Frevel, mit dem er in die Grillsaison aufbricht.

Auf anderen Schautafeln präsentieren die Zehntklässler im zweiten Teil der Ausstellung in Text und Bild Erkenntnisse ihrer Klassenfahrt im Mai nach Berlin: Geschichten und Ansichten von der Berliner Mauer über das Holocaust-Mahnmal bis hin zum Bahnhof Zoo. Katharina Damme hat anlässlich der Berlin-Fahrt ein Gedicht zur Berliner Mauer geschrieben, in dem sie sich in die Lage derer versetzte, die versuchten, über den Todesstreifen aus der DDR zu fliehen: "Jeder von uns hatte sich ja vor der Fahrt zu einem Thema vorbereitet. Und während der Führung bekamen wir dann noch Fluchtgeschichten erzählt. Einer soll es sogar als Kuh verkleidet versucht haben." Mit diesem Wissen habe sie versucht, sich in die Lage der Menschen zu versetzen, und dann das Gedicht assoziativ zu schreiben.

Klassenkameradin Katja Blinn hatte zu Berlin eine Dokumentation über den berühmten Grenzübergang "Checkpoint Charlie" angefertigt. Ihr privater Beitrag zum Thema Aufbruch war ein Gedicht, das davon handelt, wie sie von ihrer ersten großen Liebe verlassen wird. Es heißt hoffnungsvoll-zukunftsgewandt "Auf zu neuen Ufern". Blinn über die Offenbarung der eigenen Gefühlswelt: "Das Gedicht vor der Klasse vorzustellen, war kein Problem, weil die mich ja alle kennen. Aber es der Ausstellung hinzuzufügen, fiel mir schon schwerer."

Ein wesentlicher Zweck der Projekte ihres Lehrers Jung ist es, seinen Schülern die Hemmungen davor dem kreativen Prozess zu nehmen, sich selbst auszudrücken und eigene Leistungen zu präsentieren. Saskia Brenner dazu: "Bevor ich mich daran gesetzt habe, hätte ich nie gedacht, dass ich überhaupt ein Gedicht schreiben kann. Aber dann ist alles einfach so über mich gekommen." Das Ergebnis war ihr Gedicht "Der Abschied".

In den vergangenen Jahren wurden über Jungs AG Geschichte regelmäßig Buch-Veröffentlichungen von den Ergebnissen der Projekte gemacht: Darunter die Broschüre "Eulenspiegel in Homburg" oder die beiden "Bestseller", wie Eberhard Jung sagt, den "Capitolinus" über die römische Kultur in Schwarzenacker oder die humorvolle Sammlung von Liebesgedichten mit dem Titel "Venus lächelt". Auch auf dem Hoffest wurden diese wieder angeboten. Ob es aber in Zukunft noch weitere Bände geben wird, bezweifelt Jung: Die Rahmenbedingungen für solche aufwändigen Projekte würden einfach nicht mehr stimmen, bedauert er. "Ich hätte nie gedacht, dass ich überhaupt ein Gedicht schreiben kann."   Saskia Brenner

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