Viel Fitzelarbeit für einen geregelten Unterricht

von sz-redaktionsmitglied sascha müller

SZ vom 13.07.2006

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass während der Schulferien auch die Lehrer die ganze Zeit Urlaub machen. Aber während die Schüler noch ihre Sommerferien genießen, laufen die Vorbereitungen für das nächste Schuljahr bereits auf Hochtouren. Vor allem das Aufstellen des neuen Stundenplans ist eine arbeitsintensive Angelegenheit.

Der stellvertretende Schulleiter des Saarpfalz-Gymnasiums, Werner
Rübel, gibt die Daten für den neuen Stundenplan in den Computer ein.
Fotos: SZ

Homburg. Am Freitag endet das laufende Schuljahr im Saarland, die von den Klassen lange erwarteten Sommerferien beginnen endlich. Sechs Wochen Sommerurlaub auch für die Lehrer - diese Vorstellung ist weit verbreitet. Aber an den Bildungsstätten wird dann schon alles für das kommende Schuljahr vorbereitet, während die Schüler noch das freie Leben genießen. Das Aufstellen des neuen Stundenplans durch die Schulleitung ist eine der zentralen Aufgaben; und aufwendiger und komplizierter als es Außenstehenden erscheinen mag.

Werner Rübel, stellvertretender Schulleiter im Saarpfalz-Gymnasium, ist dort für den Stundenplan zuständig. Bei rund 840 Schülern in 25 Klassen und einer noch nicht feststehenden Zahl an Oberstufenkursen, unterrichtet von rund 60 Lehrern inklusive Referendaren, ist das eine Fitzelarbeit mit vielen Fallgruben und Sackgassen.

Rübel: "Zunächst muss ich den Unterrichtsbedarf anhand der Anzahl der zu erwartenden Klassen ermitteln. Dann schaut man, ob man genügend Fachlehrer für die Stunden der einzelnen Fächer hat."

Die Verteilung der Lehrer auf die Klassen sei eine etwas pikante Angelegenheit: Nicht nur, dass die Arbeitszeit für jede einzelne Lehrkraft stimmen müsse, auch dürften die Fachlehrer jede Klasse nur zwei bis drei Jahre am Stück in denselben Fach unterrichten, dann müsse gewechselt werden.

"Und die Referendare sind auch nicht immer leicht zu verplanen, weil diese zum Beispiel auch noch ihre Fachseminare haben", fügt er hinzu. Zudem gelte es, die Wünsche der Lehrer soweit als möglich zu berücksichtigen, so dass nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrkräfte einen Stundenplan haben, mit dem sie gut arbeiten können.

Was die Raumbelegung betrifft, unterliegt Rübel ebenfalls Einschränkungen und Zwängen, die das Erstellen des Stundenplans nicht gerade einfacher machen: "Wir haben wegen der Zahl unserer Klassen ein Hallenproblem. Für den Sportunterricht müssen wir uns in der ehemaligen Realschule und am Mannlich-Gymnasium Stunden in deren Turnhallen leihen. Das zwingt den Sport von Anfang an in bestimmte Unterrichtsstunden."

Daher beginne er die Raumbelegung mit der Hallennutzung, danach sind die anderen Funktionsräume wie Chemie- oder Physiksaal im Saarpfalz-Gymnasium dran.

"Die ganzen Rohdaten werden in ein spezielles Computerprogramm eingegeben, das dann erst einmal anfängt, die Möglichkeiten durchzurechnen. In der Regel schafft es das Programm, zwischen 50 und 70 Prozent des Planes zu erstellen. Den Rest muss ich dann wie früher selbst machen." Mehr schaffe der Computer mit bloßen Rechnen derzeit noch nicht, für den Rest sei nach wie vor der menschliche Verstand gefragt.

Das Programm sei zwar eine große Hilfe, aber auch nicht perfekt, schränkt er ein: "Es hat ein paar Macken, die man kennen muss. Man muss erst die Räume eingeben und ein paar erfundene Klassenzimmer als Puffer erzeugen, sonst macht es Fehler bei der Zuteilung." Die Belegung der erfundenen Zimmer müsse er dann von Hand korrigieren: "Aber das ist leichter zu beheben, als die Fehler, die es andernfalls macht", erklärt Rübel verschmitzt. Trotz ihrer Grenzen seien die neuen Computerprogramme sehr nützlich: "Früher haben wir zu zweit etwa drei Wochen lang am Stundenplan gearbeitet, heute mache ich das alleine in der Zeit."

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