Besuch bei Anne Franks Cousin
Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums reisten nach Basel und trafen dort Buddy Elias
Sie haben in Anne Franks Kinderstuhl gesessen, ihren Schmuck in den Händen gehalten, Faksimiles, dem Original täuschend ähnliche Nachbildungen, ihres Tagebuchs gesehen. Doch vor allem haben sie ein Familienmitglied kennen gelernt: den heute 83-jährigen Buddy Elias, Cousin des berühmten jüdischen Mädchens, das von den Nazis umgebracht wurde. Der hatte die Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums zu sich nach Basel eingeladen.
Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm
So intensiv sind wir Anne Frank noch nie begegnet
Lehrer Eberhard Jung
Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums beschäftigen sich seit längerem mit Anne Frank und trugen zur Ausstellung in Homburg bei. Nun sind sie und ihr Lehrer Eberhard Jung (hinten, Zweiter von rechts) aus Basel zurück. Dort besuchten sie Anne Franks Cous
Homburg. Sie sind in dem Alter, in dem Anne Frank begann, ihr Tagebuch zu schreiben, sich verstecken musste, dann doch verraten und ins Konzentrationslager deportiert wurde, wo sie mit 15 Jahren elend an Typhus starb. Die Schüler aus verschiedenen Klassen des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums kennen die Geschichte des von den Nazis verfolgten Mädchens, deren Tagebuch in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Sie haben sich auf sehr persönliche Art und Weise damit befasst - auch für die große Homburger Ausstellung. Doch jetzt sind sie dem berühmten jüdischen Mädchen noch näher gekommen.
Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums beschäftigen sich seit
längerem mit Anne Frank und trugen zur Ausstellung in
Homburg bei. Nun sind sie und ihr Lehrer Eberhard Jung
(hinten, Zweiter von rechts) aus Basel zurück. Dort
besuchten sie Anne Franks Cousin Buddy Elias.
Foto: Bernhard Reichhart
"So intensiv sind wir Anne Frank noch nie begegnet", sagt Lehrer Eberhard Jung. Am Freitag und Samstag waren er und die Schüler, insgesamt eine 19-köpfige Delegation, in Basel, trafen dort Buddy Elias, den "letzten noch lebenden Verwandte von Anne Frank", ihren 83-jährigen Cousin, der als Schauspieler arbeitet, zugleich Präsident des Anne-Frank-Fonds ist. Er selbst hatte die Jungen und Mädchen zu sich in die Schweiz eingeladen - als Reaktion auf einen fiktiven Brief von Anne Frank an ihren Cousin. Verfasst wurde dieser von der Schülerin Viorica. Den ließ ihr Lehrer Buddy Elias zukommen und der antwortete nicht nur, sondern sprach auch eine Einladeung aus. Als erste deutsche Schulkasse habe er die Gruppe aus Homburg in den Räumen des Fonds und in seiner Privatwohnung empfangen, berichtet Jung.
"Es war überwältigend", sagt Eva-Marie, 13. Und trifft damit auch die Empfindungen der anderen, die mitgereist sind. Als sie die Räume betreten, ist ihnen Anne Frank ganz nahe. Einige Schüler sitzen auf ihrem Kinderstuhl, halten eines ihrer Schmuckstück in der Hand, sehen zahlreiche Familienfotos, hören Geschichten, schauen in die Zimmer, in denen Otto, Anne Franks Vater, später lebte. "Das sah aus wie in Amsterdam", sagt Kristin, 13, und spielt damit auf das Versteck der Familie in den Niederlanden an. Dort entstand das berühmte Tagebuch und die unvollendete Überarbeitung. Die Originale bekommen sie zwar nicht zu sehen, aber aufwendig hergestellte Nachbildungen - auch von den anderen Schriften, die Anne Frank verfasste, Märchen, Briefe und Essays. "Die riechen sogar wie das Original", sagt Michael, 15, über diese Faksimiles. "Da ist jeder Wasser-, jeder Tintenfleck nachgebildet." Die Schrift des Mädchens fasziniert die Jugendlichen, zudem die vielen in das Buch geklebten Fotos und die losen Blätter, die darin liegen. Es sind jedoch nicht nur die Gegenstände, die berühren, es sind auch die Geschichten, die bislang unveröffentlichten Briefe, die der Cousin vorliest. Manchmal sind es unbeschwerte Episoden, etwa darüber, wie sie sich als Kinder verkleideten. Dann wieder bekommen sie Dinge zu hören, die schwer zu ertragen sind - über den Moment zum Beispiel, in dem die Überlebenden in Basel vom Tod der Verwandten erfahren. Ein Schaudern ist selbst jetzt nach der Rückkehr zu spüren.
Sie nehmen viel mit - auch für ihr eigenes Leben, bewundern Anne Franks Mut "sich nie aufzugeben", wollen sich "mehr für andere einsetzen", sind sensibler, wenn sie etwas über Rechtsradikale erfahren. Und: Sie haben Buddy Elias beeindruckt, unter anderem mit einem Gedicht der 15-jährigen Schülerin Anne an Anne Frank, aber auch mit ihrem Engagement. Deswegen will er sie alle besuchen und im nächsten Frühjahr nach Homburg kommen.



