Dialog der Generationen III

Eifrige Schüler im Dialog mit Zeitzeugen des Dritten Reiches

Rege Beteiligung des Saarpfalz-Gymnasiums am Begleitprogramm der Anne-Frank-Ausstellung

 Es wollte fast kein Ende nehmen. Nach über drei Stunden diskutierten die letzten Schüler und weitere Besucher immer noch mit den Zeitzeugen des Dritten Reiches im Homburger Stadtcafé. Auch beim dritten und vorläufig letzten „Dialog der Generationen“, der zum Begleitprogramm der Anne-Frank-Ausstellung gehört, war der Besucherandrang sehr groß.

Beigeordneter Rüdiger Schneidewind hob in seiner Begrüßungsrede die Wichtigkeit dieser Veranstaltung hervor und lobte das Engagement der Organisatoren Christel Steitz (Seniorenbeauftragte der Stadt), Gabriele Schreck (Amt für Jugend und Soziales), Karina Kloos (Stadtbücherei), Ulla Feifel (Freundeskreis Synagoge) und Eberhard Jung (Saarpfalz-Gymnasium). Beeindruckt zeigte er sich, dass die junge und alte Generation bei dieser Begegnung so zahlreich vertreten waren. Die Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums, die alle freiwillig am schulfreien Samstagmorgen kamen, sind überwiegend Mitglieder von Eberhard Jungs „Arbeitsgemeinschaft Geschichte“ und/oder Ausstellungsbegleiter, d.h. 19 von ihnen werden im Juni ehrenamtlich Schulklassen durch die Anne-Frank-Ausstellung führen. Ausgebildet werden sie dazu in einem zweitägigen Seminar.

Unter der Moderation ihres Lehrers kam ein reger Dialog mit den vier Homburger Zeitzeugen zustande, bei dem das Publikum aufmerksam die Ohren spitzte. Lore Biehl (Jahrgang 1932) erzählte u.a. von ihrem Schicksal als Halbwaise während der Bombennächte des Zweiten Weltkriegs in Neunkirchen. Käthe Saljo, 1924 in Temeschburg/Rumänien geboren, wurde 1945 von russischen Soldaten verschleppt und überlebte mit viel Ausdauer ein langjähriges Straflager in der Ukraine. Die 83-Jährige warnte eindringlich: „Es gibt nichts Schlimmeres als Krieg. Der Krieg verdirbt die Menschen, ihren Charakter.“ Erwin Brengel und Willi Caster, beide Jahrgang 1925, beeindruckten mit ausführlich geschilderten Kindheitserlebnissen und alptraumhaften Fronterfahrungen als junge Soldaten. Brengel überlebte u.a. den massiven Angriff der Alliierten bei der Invasion in der Normandie 1944. Caster hob bei der Erzählung seiner turbulenten Lebensgeschichte besonders hervor: „Das Inferno von Dresden im Februar 1945 macht mir heute noch zu schaffen!“

Alle vier Zeitzeugen appellierten leidenschaftlich an die Jugend, aus der Vergangenheit und der deutschen Schuld Lehren zu ziehen und die Rechtsradikalen heutzutage nicht zu unterschätzen. „Passt auf, dass ihr diesen Rattenfängern nicht auf den Leim geht!“, betonte Käthe Saljo.

Nicht nur Eva-Maria Heyd aus der Klasse 10a des Saarpfalz-Gymnasiums war begeistert von der Veranstaltung, besonders die Erzählungen Willi Casters gingen ihr sehr nahe. Maria Schäfer aus dem Leistungskurs Geschichte 12 möchte sogar seinen Lebensweg niederschreiben und auf den Rat ihres Geschichtslehrers in einer Broschüre veröffentlichen. So will sie die vielfältigen Erfahrungen und Einsichten des Hochbetagten sowie sein soziales Engagement vor dem Vergessen bewahren.

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