Spannender Einblick in die DDR-Vergangenheit
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Zeitzeugengespräch als Beitrag des Saarpfalz-Gymnasiums zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit
"Was ist der Unterschied zwischen meinem Bier und Honecker?" Diese Frage stellte einmal ein DDR-Bürger in einer Wirtschaft, und er beantwortete sie umgehend selber: "Mein Bier ist flüssig und Honecker ist überflüssig." Solche politischen Witze waren in der SED-Diktatur gefährlich. Das bekam auch der freimütige Erzähler sofort zu spüren. Ein Stasi-Mitarbeiter hatte mitgehört und fragte ihn spontan: "Und was ist der Unterschied zwischen deinem Bier und dir?" Die Antwort gab er selbst: "Dein Bier bleibt hier und du kommst mit!"
Diese wahre Begebenheit aus der 41-jährigen DDR-Geschichte gab Dr. Wolf-Dieter Legall aus Dresden vor über 130 Schülern des Saarpfalz-Gymnasiums aus den Klassen 7 bis 11 zum Besten. Auf Einladung des Geschichtslehrers Eberhard Jung und arrangiert von Dr. Burkhard Jellonnek, dem Leiter der Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes, schilderte der 67-jährige Referent seine persönlichen Erfahrungen aus der DDR-Zeit und ordnete sie in den politischen Kontext ein. Nach seinem Abitur in Naumburg hatte er den Militärdienst verweigert, kam zu den "Bausoldaten" und studierte als Parteiloser die Fächer Biologie und Chemie an der Universität Halle-Wittenberg. Er gewann mehrere renommierte Forschungspreise, lehnte jedoch die Ernennung zum Professor "aus ideologischen Gründen" ab. Zur DDR-Zeit eine Ungeheuerlichkeit! Während der Wendezeit beteiligte er sich aktiv an der Bürgerrechtsbewegung, wurde bildungspolitischer Sprecher des Neuen Forums Merseburg und nach der Wiedervereinigung Staatssekretär im Kultusministerium in Sachsen-Anhalt, später langjähriger Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen. Als größten Fehler seines Lebens bezeichnete er, dass er sich nach seinem Abitur nicht in den Westen abgesetzt hat. Mit der DDR konnte er sich nach eigenen Angaben nie richtig anfreunden, war sogar als unbescholtener Bürger einen Tag in Untersuchungshaft, weil er sich unter Jugendlichen aufhielt, "die an Silvester vorzeitig Knaller losließen." Den Schülern imponierte er mit seinen deutlichen Worten und berührenden Schilderungen aus dem DDR-Alltag. Wegen Nichtigkeiten sei man im "Arbeiter-und Bauernstaat" eingesperrt worden. Da die DDR chronisch unter Geldmangel litt, schreckte sie auch vor "modernem Menschenhandel" nicht zurück. So machte sie den Familienangehörigen das Angebot, die Möglichkeit zum Freikauf von Häftlingen zu nutzen. Für 4000 DM pro Person habe z.B. die Bundesrepublik Deutschland viele politische Häftlinge freigekauft. Daneben sprach Legall viele markante Themen von der Staatsgründung am 7. Oktober 1949 bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 an: die Staatssicherheit (Stasi), der ein eigenes Ministerium zur Bespitzelung der einheimischen Bevölkerung und für die Auslandsspionage gehörte, staatliche Willkür auf allen Ebenen, Mauerbau, die fehlende Reisefreiheit, Intershops, Wehrkundeunterricht, manipulierte Volkskammerwahlen, die Montagsdemonstrationen mutiger und gewaltloser Demonstranten u.v.a. Propagandalügen entzauberte er. Die Parole "Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen!" entlarvte er als Irrsinn und erteilte jeglicher Form von Ostalgie eine deutliche Absage: "Die DDR-Diktatur hat sich aus menschlichen Bedürfnissen nichts gemacht und verfolgte eine knallharte Machtpolitik!" Vor Beginn der Veranstaltung hatten Schülerinnen der Klasse 9d die Tafel schön gestaltet, das Brandenburger Tor bei Sonnenaufgang gemalt und neben den Willkommensspruch für den Gast in großer Schrift angeschrieben: "Die deutsche Einheit - der größte Glücksfall der deutschen Geschichte." Als Legall das sah, betonte er: "Diesem Satz kann ich bedingungslos zustimmen!" Er versäumte es aber auch nicht, auf die Probleme der Wiedervereinigung einzugehen. Als ein Schüler wissen wollte, warum die DDR so lange existiert hat, meinte der Referent: "Weil die Russen sie förderten und die Bevölkerung Angst vor der Stasi hatte." Legall betonte die Wichtigkeit von historischer Aufklärungsarbeit und Zeitzeugengesprächen und hob hervor: "Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gefahren der Gegenwart." Die Schüler und Lehrer des Saarpfalz-Gymnasiums bedankten sich für den spannenden und unterhaltsamen Einblick in die DDR-Vergangenheit mit lange anhaltendem Beifall.



