Friedensarbeit im Kaukasus

Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums engagieren sich im Land Georgien

(Saarbrücker Zeitung vom 9.10.2009)

Das Homburger Saarpfalz-Gymnasium beschreitet einen besonderen Weg der länderübergreifenden Freundschaft. Schüler werden im Land Georgien auch bei der Restaurierung eines ehemaligen deutschen Friedhofes helfen.

Von SZ-Mitarbeiter Thorsten Wolf

Homburg/Tiflis. Arbeitshandschuhe, Sägen, Schaufeln, Beile und schwere Arbeitsschuhe gehören gemeinhin nicht zum Schulalltag am Homburger Saarpfalz-Gymnasium. Für einige Tage allerdings werden acht Schülerinnen und Schüler genau diese Gerätschaften zum Mittelpunkt ihres Tagesablaufes machen. Und das nicht, um vielleicht die eine oder andere Grünanlage an der Schule zu pflegen. Nein, für Anna Berlich, Lisa Harth, Marvin Müller, Sabrina Müsel, Sandy Pfeiffer und Jakob Steitz sowie die ehemaligen Schüler Christoph Berlich und Claudia Hermes geht es am kommenden Samstag auf eine lange Reise in den Kaukasus, die   georgische Hauptstadt Tiflis ist das Ziel.

Zehn Tag lang wollen die Schülerinnen und Schüler ganz praktisch bei der Restaurierung eines ehemaligen deutschen Friedhofs dort helfen, Schüler-Working-Projekt heißt das Ganze.

Anna Berlich, Schulsprecherin des Saarpfalz-Gymnasiums, geht mit klar definierten Erwartungen auf die Reise. „Es wird sehr interessant werden. Wir werden eine neue Kultur kennenlernen. Es wird eine riesen Erfahrung, die uns keiner mehr nehmen wird.“ Angst vor einem Land, das zuletzt durch einen Krieg mit dem Nachbarn Russland in die Schlagzeilen geriet, hat Anna nicht. „Wann hat man schon mal die Möglichkeit, ein solches Land und solche  Entwicklungsschübe mitzubekommen.“ Verzagen vor der Aufgabe und den Rahmenbedingungen ist nicht die Sache der Schüler, auch wenn sie die Herausforderungen realistisch sehen.

Vom 10. bis zum 20. Oktober werden acht Schülerinnen und Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums in der Nähe von Tiflis in Georgien in Trägerschaft der rotestantischen Jugendzentrale Homburg einen ehemaligen deutschen Friedhof restaurieren. Neben den reinen Arbeiten stehen auch Kontakt- undInformationsangebote auf dem Reiseplan.

Sandy Pfeiffer: „Ein bisschen Respekt hab ich schon vor der körperlichen Anstrengung.“ Lisa Harth hat gemischte Gefühle, stellt aber klar, „dass wir nicht in einer Region aktiv sein werden, die vom Krieg betroffen war oder die gefährdet ist.“ Ihre Mitreisende Sabrina Müsel erfuhr vom Elternhaus deutliche Zustimmung für ihr Engagement. „Meine Eltern waren begeistert darüber, dass ich mich für ein solches Projekt einsetze.“ Marvin Müller und Jacob Steitz verbinden mit dem Arbeitseinsatz im Kaukasus auch ein bisschen den Wunsch auf ein Abenteuer, wollen sich aber vor allem auf das Land und seine Besonderheiten einlassen. Christoph Berlich, Anna Berlichs Bruder, war schon im Jahr 2003 in Georgien. Der heutige Student erinnert sich kurz vor der Abreise an seinen ersten Aufenthalt. „Wir sind morgens nach dem Frühstück an unsere Arbeitsstelle gefahren, gegen Mittag gab’s eine Pause samt Lunchpaket, dann ging weiter mit der Arbeit. Und Abends ging’s dann wieder zurück zur Unterkunft.“

Ein Urlaub wird das Ganze also nicht, gleichwohl natürlich auch Informationsangebote und ein Erfahrungsaustausch mit einer georgischen Schule auf dem Plan stehen. Begleitet werden die Schüler durch Schulleiter Jürgen Helwig, dessen Frau und durch Lehrerin Simone Lukas. Die Reise ist die dritte seit 2001. Damals brachten persönliche Beziehungen nach Tiflis der Helwigs den Stein ins Rollen. Es folgte ein Aufenthalt im Jahr 2003, dann ein Gegenbesuch aus Georgien 2006. Der Aufenthalt nun war schon für 2008 geplant, da machte aber der georgisch-russische Krieg dem Projekt einen Strich durch die Rechnung.