Geschichtsstunde hinter Gittern - Jungautorin Maria Schäfer stellt ihre Zeitzeugenbiographie vor

Mit großem Interesse verfolgten am 26. November 15 junge Häftlinge der JVA Zweibrücken die Lesung der Jungautorin Maria Schäfer (20), die mit ihrer Zeitzeugenbiographie „Alles hat seine Zeit – Erinnerungen aus dem Leben von Willi Caster“ das Leben als Kind und Jugendlicher im Dritten Reich thematisierte. Dabei sprach die Zahnmedizinstudentin nicht nur über geschichtliche Fakten, sondern ebenso über Rechtsradikalismus heute und Zukunftschancen.

Maria Schäfer, die kurz vor ihrem Abitur am Homburger Saarpfalz-Gymnasium 2009 ihr Buch über das Leben des Erbachers Willi Caster (84) vorgestellt hatte, erklärt: „Es ist wichtig, dass auch wir junge Menschen uns mit Geschichte auseinandersetzen, denn nur so können wir die Gegenwart verstehen und die Zukunft verbessern.“ Diese Einstellung versucht sie in Gesprächen mit Gleichaltrigen weiterzugeben. „Die Lesung in der JVA Zweibrücken war ein sehr spannendes Erlebnis, aber auch eine große Herausforderung für mich. Werden sich die Insassen überhaupt für meinen Vortrag interessieren, mir zuhören oder wird meine Lesung vielleicht im Chaos provozierender Zwischenrufe untergehen?“ Doch die anfänglichen Sorgen waren unbegründet.

„Die jungen Männer, alle zwischen 18 und 25, haben sich sehr auf die Lesung gefreut. Von Beginn an waren sie sehr konzentriert und haben sich aktiv an der Lesung mit sinnvollen Beiträgen und interessanten Fragen beteiligt. Nach einer übersichtlichen Einführung in den historischen Kontext, habe ich zahlreiche Passagen aus meinem Buch vorgelesen und diese mit den Häftlingen diskutiert. Dabei ging es mir vor allem darum, die Chancen aufzuzeigen, die sich der Jugend heute bieten. Unsere menschlichen Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Individualität und Selbstbestimmung verloren bei der Gegenüberstellung mit Unterwerfung, Gehorsam und Anpassung im Dritten Reich ihre Selbstverständlichkeit.“ Mit ihrer offenen und ehrlichen Art fand Maria Schäfer schnell Zugang zu den Häftlingen: „Dass auch bei mir in der Familie Arbeitslosigkeit und finanzielle Probleme eine Rolle spielen, sprach ich offen an. Mir war es wichtig zu zeigen, dass jeder - unabhängig von den Ausgangsbedingungen - seine Träume und Ziele verwirklichen kann. Nach der Lesung hatte ich die Gelegenheit in lockerer Atmosphäre mit den jungen Männern zu sprechen und mehr über ihren Gefängnisalltag zu erfahren. Einige von ihnen dürfen demnächst nach jahrelangem Gefängnisaufenthalt wieder in ihr freies Leben zurück. Ich hoffe, dass meine Intention ihr Ziel nicht verfehlt hat und sie ihre zweite Chance nutzen, um in eine bessere Zukunft zu blicken.“

Auch bei ihrem Besuch der Klasse 10c des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums stellte sich Maria Schäfer den neugierigen Fragen eines jungen Publikums, sprach über die Entstehung ihres Buches, aber auch über Engagement im Schulalltag. „Erst in der 10. Klasse habe ich wirklich begriffen, dass es hier um meine Zukunft geht“, erzählt die 20-Jährige. Die Schüler waren sehr interessiert und äußerten positive Kritik. „Unvorstellbar, wie viel Zeit Maria geopfert hat, um das Buch zu schreiben. Dazu braucht man Talent und Durchhaltevermögen!“ - Darin sind sich die Schüler einig. Mit ihrer lockeren, fröhlichen und vor allem ehrlichen Art begeisterte Maria ihre ehemaligen Mitschüler. „In der Schule legt ihr den Grundstein für eure Zukunft. Nutzt jede Gelegenheit, um zu zeigen, was ihr könnt!“ appellierte Maria Schäfer an die Klasse. „Jeder kann mit etwas Fleiß seine Träume verwirklichen!"