Zehn künftige Abiturienten
Wie läuft das neue Oberstufengymnasium? Wir besuchten ehemalige Realschüler
Aus SZ vom 12.01.2011 Christine Maack
Hinten (v.l.) Perter Bossong, Jürgen Helwig, Matrina Franz
Foto: Thorsten Wolf
Optimale Betreuung gibt es für die zehn jungen Leute, die nach ihrem Realschulabschluss an der ERS im Herbst ans Saarpfalz-Gymnasium gewechselt sind. Heute findet um 19 Uhr für Schüler aller Erweiterten Realschulen ein Info-Abend am Saarpfalz-Gymnasium statt. Es geht darum, ob ein Wechsel an das dortige Oberstufengymnasium mit dem Ziel Abitur ins Auge gefasst wird. Wir sprachen vorab mit Lehrern und Schülern über diesen Zweig.
Homburg. Im deutschen Schulsystem müssten sich Kinder schon mit zehn Jahren festlegen, welche Laufbahn sie später einmal ergreifen wollten. So tönt es uns alljährlich aus den Bildungsberichten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) entgegen. Dabei stimme das längst nicht mehr, das deutsche Schulsystem biete allen Jugendlichen einen Weg zum Abitur, „wenn sie es wirklich wollen“, wie Jürgen Helwig betont, der Schulleiter am Saarpfalz-Gymnasium ist. Sein Gymnasium gehört, zusammen mit dem BBZ (Berufsbildungszentrum Paul Weber Schule), zu den beiden Schulen in Homburg, die ein so genanntes Oberstufengymnasium anbieten. Diese Idee stammt von der ehemaligen Kultus- und heutigen Arbeits- und Sozialministerin Annegret Kramp- Karrenbauer. Es ging ihr vor drei Jahren vor allem darum, die Härten von G 8 abzumildern. Denn als die Proteste der Eltern über den Leistungsdruck an den Gymnasien immer lauter wurden, überlegte man sich im Kultusministerium, wie man Schülern weiterhin den Weg zum Abitur auch nach neun Jahren ebnen könne. Und so kamen die Oberstufengymnasien auf: Ein bis zwei Schulen in einem Landkreis sollten für Real- oder Gesamtschüler den Weg zum Abitur erleichtern, indem eine zusätzliche Klasse – die Klasse zehn – als Scharnier eingeschoben wurde. In dieser Klasse, die das Saarpfalz-Gymnasium anbietet, bleiben die Realschüler noch ein Jahr in den Hauptfächern zusammen, bis sie dann ab Klasse elf in den ganz normalen gymnasialen Unterricht mit Kurssystem eingegliedert werden. „In den Hauptfächern werden die Realschüler in der Klasse zehn ein Jahr lang getrennt unterrichtet. Diese unterstützende Maßnahme hat sich sehr bewährt“, sagt Studienrätin Doris Jacobs, die das Programm didaktisch begleitet. Früher seien die wenigen Realschüler, die sich überhaupt den Wechsel zutrauten, „einfach ins kalte Wasser geworfen worden“. Fabienne Müller aus Bexbach, die vor über einem Jahr als eine der ersten Realschülerinnen von der ERS Limbach ans Saarpfalz-Gymnasium wechselte, ist heute über diesen Schritt froh: „Ich wurde im ersten Jahr super betreut, der Übergang in den normalen Gymnasialbetrieb gelang danach problemlos.“ Es sei, „als wäre ich schon immer am Saarpfalz gewesen“, sagt Fabienne. Sie will später selbst einmal Lehrerin werden und gibt allen Interessenten mit auf den Weg: „Es ist zu schaffen, man muss es aber wirklich wollen und sich anstrengen.“ Martina Franz ist die Klassenlehrerin der jetzigen Oberstufengymnasiums- Klasse zehn am Saarpfalz, die bunt gewürfelt ist: vier junge Leute kommen von der ERS Limbach, zwei aus der ERS St.Ingbert und vier aus der ERS Blieskastel. Martina Franz weiß, dass bei Fremdsprachen, in Deutsch und in einzelnen Nebenfächern nachgearbeitet werden muss. Für sie ist das aber eine schöne Herausforderung: „Die Schüler wollen ja lernen.“ Die Motivation sei bei den zehn Realschülern groß. Und die Saarpfalz- Mitschüler nahmen die Neuen sofort mit offenen Armen auf.



